Die Lösung zum Diagnoserätsel des Monats

Die Antwort C) ist richtig.

Klinik deutet am ehesten auf eine bakterielle Endokarditis hin.

zu A:
Der Schüttelfrost spricht eher für eine bakterielle als für eine virale Ursache der Erkrankung.

zu B:
Auch der Lupus erythematodes kann mit einer Perikarditis und/oder Endokarditis einhergehen (Libmann-Sacks-Syndrom). Die Anamnese, der Schüttelfrost und die übrige Klinik sprechen jedoch eher gegen diese Diagnose.

zu D:
Die rheumatische Endokarditis ist im akuten Krankheitsstadium nur selten zu diagnostizieren. Schüttelfrost deutet eher auf bakterielle als auf rheumatische Genese der Endokarditis.

zu E:
Die hier beschriebenen Herzgeräusche sind für eine Legionella-Pneumonie (Legionärskrankheit) nicht typisch.


Auszug aus dem Lehrbuch für Heilpraktiker von Kreativität & Wissen

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Infektiöse Endocarditis

Definition:
durch einen infektiösen Streuherd im Bereich des Endokards bzw. der Herzklappen verursachte, akute septische Erkrankung

Erreger:
zu 60%  a-hämolysierende Streptokokken, zu 20% Staphylokokken, Enterokokken, Pilze u. a.

Klinik:
Fast immer befällt die infektiöse bakterielle Endokarditis einen bereits defekten Klappenapparat. Aufgrund eines angeborenen Klappenfehlers, einer künstlichen Herzklappe oder einer vorangegangenen rheumatischen Endokarditis (Anamnese!) sind die Klappen vorgeschädigt und können von Mikroorganismen besiedelt werden.

  • Allgemeinsymptome: Fieber (90%), Tachykardie, Schüttelfrost, Allgemeinbefinden schlecht
  • Herz: Herzgeräusche (je nach Klappenfehler), zunehmende Herzinsuffizienz
  • Haut: Petechien (punktförmige Einblutungen), Osler-Knötchen (schmerzliche, linsengroße rötliche Knötchen an Finger und Zehen; immunkomplexbedingte Gefäßentzündung)
  • bakterielle Mikroembolien, sog. „Osler-Splits” (z. B. an Händen, Ze­hen, Netzhaut, Gehirn)
  • Splenomegalie (Milzvergrößerung)
  • Niere: Hämaturie (Blut im Urin), Proteinurie (Eiweiß im Urin); Niereninfarkte, Herdnephritis (Löhlein)


Diagnose:

  • Anamnese (rheumatisches Fieber?), Klinik, Labor: BSG und CRP erhöht, Anämie, Leukozytose, Blutkulturen (Erregernachweis; beweisend!)
  • (CRP = C-reaktives Protein: empfindlicher, aber unspezifischer Indikator für entzündliche Prozesse und Gewebeschädigungen; eignet sich zur Frühdiagnose bakterieller  Erkrankungen, zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs und des Behandlungserfolg)


Therapie:
Antibiotika (schon bei Verdacht! Lebensrettend!)

Prognose:
Unbehandelt tödlich, je früher Antibiotikatherapie einsetzt, desto besser (Überlebensrate > 70%). Der Krankheitsverlauf wird bestimmt von der Vorschädigung des Herzens (z. B. rheumatische Endokarditis, Schrittmacher, Klappenersatz), der Abwehrlage des Patienten, der Virulenz (Ge­fähr­lichkeit) des Erregers und durch den rechtzeitigen Therapiebeginn.

Prophylaxe:
Endokarditisprophylaxe bei Patienten mit kardiovaskulären Fehlbildungen, erworbenen Klappenfehlern, früheren bakteriellen Endokarditiden und hypertrophischer Kardiomyopathie.

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