Krampfadern: nicht nur ein kosmetisches Problem...

Eine Studie der Universität Bonn ergab, dass fast ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland Krampfadern (Varikosis, Varizen) besitzt.

Krampfadern sind nicht, wie weitläufig angenommen, hauptsächlich ein kosmetisches Problem, sie können zu Entzündungen, Thrombosen oder zu einem offenen Bein führen. In Deutschland leiden ca. 1,8 Millionen Menschen an offenen Beinen als Folge von Krampfadern. 

Bei den Krampfadern handelt es sich um aufgeweitete, verlängerte, gekrümmte und geschlängelte Venen, am häufigsten sind die oberflächlichen Venen der Beine betroffen. Die bei vielen Frauen auftretenden "Besenreiser" stellen z.B. schon kleine Krampfadern dar. Generell sind Frauen häufiger von Krampfadern betroffen als Männer. 

In ca. 5% der Fälle treten Varizen als Folge anderer Erkrankungen, z.B. der tiefen Beinvenenthrombose, auf  (sekundäre Varikose). 

Bei der primären Varikose (ca. 95% der Fälle) spielen Faktoren wie Bindegewebsschwäche, Strukturschwäche der Gefäßwände, oft auch genetisch bedingt, eine Rolle. Weitere Risikofaktoren sind Hormone (Östrogene scheinen zu einer Erschlaffung des Bindegewebes zu führen), Bewegungsmangel, Alter, Rauchen und Übergewicht. 

Als Folge eines Blutstaus kommt zu einer Aufweitung der Venen, die zusätzlich zu einer Venenklappeninsuffizienz (unzureichendes Schließen der Venenklappen) führt, wodurch sich der Blutstau noch weiter verstärkt.

Die ersten Anzeichen von Krampfadern sind Schwere- und Müdigkeitsgefühl in den Beinen, v.a. beim Stehen oder Sitzen. Nächtliche Fuß- und Wadenkrämpfe können ebenfalls ein Signal für Krampfaderbildung sein. Im weiteren Verlauf, bei einem stärkeren und langanhaltenden Blutstau, werden die Gefäße immer durchlässiger, Wasser, Proteine, Erythrozyten werden in das Gewebe abgepresst, es kommt zu einer Ödembildung (Wasseransammlung), Braunfärbung der Haut und einer Unterversorgung des Gewebes, die zu Unterschenkelgeschwüren, dem sogenannten offenen Bein (Ulcus cruris) führen kann.

Bei der Behandlung von Krampfadern wird darauf abgezielt, in einem möglichst frühen Stadium die Durchlässigkeit der Venen zu stoppen.

Eine Kompressionstherapie mit Stützverbänden oder speziell angepassten Stützstrümpfen ist das Fundament jeder Behandlung, sie kann Symptome und Beschwerden der Krampfaderbildung, wie Wasseransammlungen, mindern. 

Die Wirkung von Medikamenten ist umstritten, es liegen Berichte vor, dass z.B. Roßkastanienextrakt  eine Strukturveränderung der Venen und Gefäßabdichtung bewirken soll. Weiterhin wird der Einsatz von Diuretika, venenstärkenden Medikamenten und Heparin-haltigen Venensalben diskutiert. 

Leichte Krampfadern (Besenreiser) lassen sich unter lokaler Betäubung durch Spritzen eines Verödungsmittels veröden. In schweren Fällen können operative Verfahren wie das Venenstripping eingesetzt werden: die gesamte erweiterte Vene wird entfernt (diese Methode ist jedoch nur dann möglich, wenn die tiefen Beinvenen einwandfrei funktionieren).

Andere Allgemeinmaßnahmen umfassen sportliche Betätigung, kalte Beinduschen, Hochlagern der Beine, möglichst geringer Alkohol- und Zigarettenkonsum, Vermeidung von Übergewicht, keine enge Kleindung, keine engen Schuhe.

Dezember 2003

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