"Pille danach" bald rezeptfrei erhältlich?...
Bei einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kannten 91% der Befragten die "Pille danach", 9% der 20- bis 30-Jährigen hatten sie schon einmal benutzt.
Bei der "Pille danach" handelt es sich um eine Form der Nachverhütung, bei der der Eisprung unterdrückt oder das Einnisten eines befruchteten Eis in die Gebärmutterschleimhaut verhindert wird (sie stellt daher keinesfalls eine Form der Abtreibung dar). Sie sollte nur in Ausnahmesituationen eingesetzt werden und ersetzt nicht die Langzeitverhütung.
In Deutschland wird die "Pille danach" vielleicht bald schon rezeptfrei verkäuflich sein. Ein entsprechender Antrag wurde gestellt, das Bundesgesundheitsministerium muss nun entscheiden, ob die Verschreibungspflicht für das entsprechende Präparat tatsächlich ab 2004 entfallen soll.
In einigen unserer Nachbarländer (England, Frankreich, Schweiz, Schweden) ist die "Pille danach" schon seit längerer Zeit ohne Rezept erhältlich.
Gegner der Freigabe befürchten, dass die Langzeitverhütung vernachlässigt wird, und kritisieren, dass die Beratung durch den Arzt entfällt. Studien in den Nachbarländern zeigten jedoch, dass der Einsatz der üblichen Langzeitverhütungsmittel nach Freigabe der Pille danach nicht zurückgegangen war. Die Beratungsfunktion übernimmt im Falle der Rezeptfreiheit der Apotheker.
Die Befürworter der Rezeptfreiheit weisen darauf hin, dass durch den erleichterten Zugang der Notfall-Nachverhütung die Zahl der späteren Schwangerschaftsabbrüche reduziert werden konnte (dies belegen Studien in Schweden) und zudem die Hemmschwelle, in Ausnahmesituationen auf dieses Mittel zurückzugreifen, herabgesetzt werden könne.
Bei dem betreffenden Präparat handelt es sich um ein Gestagen. Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen, Spannungsgefühle in der Brust, Übelkeit, Müdigkeit können auftreten, verschwinden jedoch nach zwei Tagen wieder.
Wichtig ist, dass die "Pille danach" so früh wie möglich eingenommen wird. Wird sie den ersten 24 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen, werden 95% der Schwangerschaften verhindert, danach sinkt die Wirksamkeit immer weiter ab, 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr wirkt sie gar nicht mehr.
Im Gegensatz zur regelmäßigen Einnahme der Antibaby-Pille besteht bei der kurzzeitigen Anwendung der "Pille danach" kein erhöhtes Thromboserisiko o.ä. Besteht bereits eine Schwangerschaft, so hat die "Pille danach" keine Wirkung mehr.
In diesem Zusammenhang ist eine andere Meldung vielleicht auch sehr interessant:
Kanadische Forscher fanden heraus, dass sich beim Menstruationszyklus der Frau die Follikelbildung in den Eierstöcken in zwei oder drei Wellen vollziehen kann und es somit zu mehr als einem Eisprung kommen kann.
Das bisherige Modell, bei dem von einem Eisprung (etwa in der Mitte des 28-tägigen Zyklus) ausgegangen wird, wird somit in Frage gestellt.
Eine Studie mit 63 Frauen mit "normalem" Menstruationszyklus ergab, dass sich Follikel bei 50 Frauen in mehreren unterschiedlich starken "Wellen" innerhalb des Zyklus bildeten, es bei ihnen aber nur zu einem Eisprung, zum erwarteten Zeitpunkt. kam. Bei sechs Frauen wurden tatsächlich zwei Eisprünge zu unterschiedlichen Zeiten festgestellt, bei sieben Frauen kam es zu überhaupt keinem Eisprung.
Nach diesen Erkenntnissen gibt es keine bestimmte unfruchtbare Tage im Zyklus und daher keine wirklich sichere Tage für den Geschlechtsverkehr. In 40% der Fälle könnte daher die natürliche Methode der Empfängnisverhütung scheitern.

