Trauriges Jubiläum: 20 Jahre HIV und AIDS...

Welt-Aids-Tag am 1. Dezember

1983 wurde das HIV-Virus von den Wissenschaftlern Luc Montagnier und Robert Gallo entdeckt. Trotz intensivster Forschungen ist auch 20 Jahre nach Entdeckung des Erregers und seiner Übertragungswege noch keine Heilung oder Impfung möglich. Nach wie vor sind Aufklärung und Vorsorge das wichtigste Mittel im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit.

Situation in Deutschland

Nach Angaben des Robert Koch- Instituts (RKI) gibt es in Deutschland 40 000 bis 45 000 HIV-Infizierte, etwa ein Viertel davon sind Frauen, drei Viertel Männer. Die Zahl der jährlichen Neuinfektionen liegt bei etwa 2 000, an den Folgen von AIDS sterben jedes Jahr hierzulande 600 bis 700 Menschen. Die Situation in Deutschland ist relativ stabil, die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist im europäischen Vergleich eine der niedrigsten.

Bedenklich ist jedoch eine wieder zunehmende Sorglosigkeit in Deutschland. Dass wieder weniger "Safer Sex" praktiziert wird, lässt die Zunahme anderer sexuell übertragbarer Krankheiten wie Syphilis vermuten. Gründe für diese Sorglosigkeit sind neben Überschätzung der medizinischen Erfolge in der AIDS-Forschung und damit Unterschätzung der tatsächlichen Gefahr sicherlich auch eine nachlassende Aufklärung (z.B. als Folge von Einsparmaßnahmen bei den AIDS-Beratungsstellen).

Das diesjährige deutsche Motto zum Welt-AIDS-Tag lautet "Ausgrenzung abwehren" und will helfen, die spontanen und diffusen Ängste, die beim Kontakt mit Infizierten auftreten und die zu Distanz und Ablehnung führen, zu überwinden.

Situation weltweit

Viel verheerender sieht die Situation weltweit aus: Heute sind weltweit über 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert, davon 2,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren. In diesem Jahr infizierten sich 5 Millionen Menschen neu mit HIV, 3 Millionen starben an AIDS, darunter waren 580.000 Kinder.

Am schlimmsten betroffen sind die Regionen südlich der Sahara, in manchen Ländern ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung mit HIV infiziert. Dass gerade jüngere Menschen im arbeitsfähigen Alter betroffen sind, wirkt sich leider noch zusätzlich nachteilig auf die Wirtschaft der ohnehin armen Länder aus.

Ursachen für die hohe Zahl der HIV-Infektionen und AIDS-Toten in den sogenannten "Dritte-Welt-Ländern" sind zum einen mangelnde Aufklärung und Vorbeugung (aus Unwissenheit oder Ungleichberechtigung der Frau), zum anderen mangelnde Versorgung mit Medikamenten (wobei hier weniger der Preis der Medikamente als eine schlechte Infrastruktur verantwortlich ist). Eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Medikamenten kann zwar die Überlebenszeit verlängern und die Lebensqualität verbessern, von diesen medizinischen Erfolgen profitieren aber fast ausschließlich die Industriestaaten.

Ein deutlicher Anstieg der Infektionen wird neuerdings auch aus Osteuropa, Russland und China berichtet.

Übertragungswege

Die häufigste Ursache für eine HIV-Infektion ist der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person oder mit vielen, wechselnden Partnern (trifft in Europa auf 80% der Neuinfektionen zu). Der gemeinsame Gebrauch von Spritzen bei Drogenabhängigen macht in Europa zudem 15% der Neuinfektionen aus. Ein weiterer Übertragungsweg ist infektiöses Blut, z.B. durch Bluttransfusionen. Seit 1985 werden Blutspenden jedoch auf HIV untersucht, so dass die Gefahr deutlich minimiert werden konnte. Unbehandelte HIV-positive Mütter können zudem das Virus bei der Schwangerschaft, Geburt oder dem Stillen auf ihre Kinder übertragen.

In Mitteleuropa und den USA sind immer noch homosexuelle Männer am meisten betroffen, in Südeuropa wird das HIV-Virus eher durch Drogenabhängigkeit und gemeinsamen Gebrauch von Spritzen übertragen.

In den am schlimmsten betroffenen Ländern Afrikas sind die Neuinfektionen in erster Linie auf ungeschützten heterosexuellen Geschlechtsverkehr, oft auch durch Armutsprostitution, zurückzuführen.

Der Anstieg der Infektionen in Osteuropa und China ist vor allem die Folge von Drogenabhängigkeit

Medizinische Erfolge in der HIV-Forschung

Das HIV-Virus ( human immunodeficiency virus) schädigt oder zerstört die für die Koordination der Immunabwehr notwendigen T-Helferzellen (CD4 Lymphozyten). Es werden verschiedene Stadien von der HIV-Infektion bis zum AIDS-Vollbild unterschieden (AIDS= acquired immunodeficiency syndrome). Bei der AIDS-Erkrankung liegt eine schwere Immunschwäche vor, der Körper wird anfällig für Infektionen mit Bakterien (z.B. Tuberkulose), Viren (z.B. Herpes oder Hepatitis), Pilzen (z.B. Candida-Infektionen). Parasiten (z.B. Lungenentzündung durch Pneumocystis carinii , Toxoplasmose) und für bestimmte Krebsarten (z.B. Kaposi-Sarkom).

In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl neuer Medikamente gegen HIV und opportunistische Infektionen entwickelt. Durch eine Kombination von Medikamenten gelingt es, die Virusmenge im Blut möglichst niedrig zu halten und damit eine Lebensverlängerung bei guter Lebensqualität zu erreichen. Eine wirkliche Heilung kann jedoch nicht erzielt werden. Leider werden auch zunehmend Medikamentenresistenzen der Viren beobachtet.

Im Augenblick forscht man an einem Mittel, welches das HIV-Virus bekämpft, bevor es die T-Helferzellen befällt. Daneben wird an einem Impfstoff gearbeitet, mit dem HIV-infizierte Menschen behandelt werden können und der Immunreaktionen, d.h. die Bildung spezieller Antikörper und Abwehrzellen, anregt, so dass die HIV-Infektion eingedämmt werden kann.

Daneben ist auch eine nachträgliche Behandlung, eine sogenannte Postexpositionsprophylaxe, die innerhalb weniger Stunden nach einer vermuteten Infektion (z.B. bei Verletzungen im medizinischen Bereich) durchgeführt wird, möglich.

Nach wie vor gilt aber, dass HIV und AIDS noch immer unheilbar sind und dass Aufklärung und Vorbeugung das beste Mittel im Kampf gegen HIV bleiben.

Dezember 2003

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