Riechtest zur Diagnose von Unfruchtbarkeit?...

Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie einer Forschergruppe der Ruhr-Universität Bochum zeigte, dass Spermien ihren Weg zur Eizelle mit Hilfe eines Geruchsrezeptors finden und dass bestimmte chemische Substanzen gezielt die Bewegung der Spermien steuern können.

Die Gruppe um Prof. Hanns Hatt wies auf Spermien den Geruchsrezeptor "hOR17-4" nach, der insbesondere auf Bourgeonal, einer chemischen Substanz, mit der industriell der Duft von Maiglöckchen imitiert wird, anspricht. Der Maiglöckchen-Duftstoff bewirkte, dass sich menschliche Spermien exakt auf die Duftquelle hinbewegten und sich zudem die Schwimmgeschwindigkeit der Spermien verdoppelte. Es wird vermutet, dass Bourgeonal in der Umgebung von Eizellen vorhanden ist und den Spermien die Richtung weist. 

Durch die Substanz Undekanal, welche den "Maiglöckchenrezeptor" blockierte, konnte die Duftstofforientierung der Spermien ausgeschaltet werden. Sie schwammen wieder langsam und ziellos umher. 

Diese Untersuchungen zeigten ganz neue Möglichkeiten für künstliche Befruchtung und Verhütung 

In vor kurzem in der Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlichten Studienergebnissen der Bochumer Forschergruppe konnte das Rezeptorprotein hOR17-4, d.h. der "Maiglöckchenrezeptor" der Spermien, auch in den Riechzellen der menschlichen Nase nachgewiesen werden. Das Riechepithel der Versuchsteilnehmer zeigte eine starke Aktivität, wenn Bourgeonal gerochen wurde. Wenn vorher Undekanal geschnuppert wurde, war die Reaktion wesentlich geringer.

Daher könnte ein spezieller Riechtest in Zukunft vielleicht in zumindest einigen Fällen Fertilitätsstörungen diagnostizieren. Wenn die Unfruchtbarkeit genetisch bedingt ist, funktionieren die Maiglöckchenrezeptoren weder in der Nase noch auf den Spermien. "Wer keinen Maiglöckchenduft riechen kann, dessen Spermien werden auch die Eizelle nicht finden können", so Hanns Hatt. In den Spermien kommen jedoch noch weitere Riechrezeptoren, vermutlich mit anderen Funktionen vor. Wenn die entsprechenden Duftstoffe, auf welche diese Rezeptoren ansprechen, auch identifiziert sind, könnten einfache Riechtests die unterschiedlichen Ursachen von Unfruchtbarkeit aufdecken.

Eine andere Anwendungsmöglichkeit wäre, durch Gabe der blockierenden Stoffe eine neue und nicht hormonelle Art der Empfängnisverhütung zu schaffen.

Da in den Studien nachgewiesen werden konnte, dass Geruchsrezeptoren spezifisch blockiert werden können, sollte es auch möglich sein, ganz bestimmte Gerüche, die als störend empfunden werden, einfach auszublenden, ohne den Geruchssinn komplett auszuschalten.

November 2004

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