Leben mit Multipler Sklerose...

Laut deutschem Multiple Sklerose (MS)-Register stehen ca. 40% der MS-Patienten noch voll im Berufsleben, 32% erhalten aufgrund ihrer Krankheit eine Rente wegen Erwerbsminderung.

In Deutschland sind ca. 120 000 Menschen an der bisher noch unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose erkrankt, darunter doppelt so viele Frauen wie Männer. MS tritt meist im frühen Erwachsenenalter auf, das Durchschnittsalter der Erstdiagnose liegt bei 29,3 Jahren. In kälteren Breitengraden ist MS weiter verbreitet als in der Nähe des Äquators, die Gründe hierfür sind unbekannt.

 

Hintergrund: Was ist Multiple Sklerose?

Bei der Multiplen Sklerose handelt es sich um eine chronisch verlaufende Entzündung, die zu einer Zerstörung der Myelinscheiden ("Entmarkung") der Nervenfasern, vor allem in der weißen Substanz, in Gehirn und Rückenmark führt. Die Entmarkungsherde werden später durch Glia (Hirnbindegewebe) ersetzt, wodurch eine Verhärtung auftritt, die der Krankheit ihren Namen gegeben hat.

Durch die Multiple Sklerose kommt es zu Störungen in der Reizweiterleitung der Nervenzellen, was sich in vielfältigen Symptomen äußern kann (Lähmungen, plötzlich auftretende Sehstörungen, Augenzittern (Nystagmus), Intentionstremor, Kribbeln, pelziges Gefühl, Taubheit, Müdigkeit, Schwindel, Sprachstörungen (z.B. skandierende (abgehackte) Sprache), Störungen der Harnwege und Verdauungsorgane).

Alle diese Symptome können auch bei anderen Krankheiten auftreten, daher ist die Erstdiagnose nicht immer einfach. Neben der Krankengeschichte (Anamnese) und den vom Patienten beschriebenen Symptomen können weitere Untersuchungen (z.B. Kernspin-Tomographie oder Liquoranalyse) Klarheit bringen.

Die Entstehung der Multiplen Sklerose ist noch unklar, nach heutigem Stand der Kenntnisse handelt es sich jedoch um eine Autoimmunerkrankung mit Bildung von Autoantikörpern gegen hirneigene Antigene, die bei genetisch vorbelasteten Personen durch exogene Faktoren (z.B. noch unbekannte Viren oder Bakterien) ausgelöst wird. 

Die Erkrankung verläuft meist in Form von Schüben, die über die Jahre hinweg mit unterschiedlichem Schweregrad und verschiedenen Symptomen immer wieder auftreten können.

Man unterscheidet verschiedene Formen der Multiplen Sklerose:

Schubförmig-remittierend: Zwischen den plötzlich auftretenden Schüben erholen sich die Kranken vollständig oder teilweise (am häufigsten)

Sekundär progredient (fortschreitend): Die Rückbildung der Behinderungen zwischen den Schüben wird immer unvollständiger (bei etwa der Hälfte der schubförmig-remittierenden Form im Laufe der Zeit auftretend)

Gutartig: Hier kommt es zu Schüben, die ohne bleibende Schäden wieder abklingen. Bei einem Teil der Patienten existiert eine "klinisch stumme MS", bei der sich durch die Schädigung im Nervensystem keinerlei Ausfälle zeigen und die nur als Zufallsdiagnose gefunden wird. 

Primär progredient Hier treten keine Schübe auf und der körperliche Zustand verschlechtert sich kontinuierlich. Diese schwere Form tritt bei  vor allem bei Patienten mit hohem Erkrankungsalter auf.

 

Die Behandlung der Multiplen Sklerose umfasst die Einnahme des entzündungshemmenden Cortisons oder cortisonähnlicher Stoffe während der Schübe, daneben die Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem günstig beeinflussen können (ß-Interferone, Glatiramer, Azathioprin).

Andere sinnvolle symptomatische Behandlungsmaßnahmen sind u.a. Krankengymnastik, Logopädie bei Sprachstörungen, Therapie der Blaseninfekte, Selbsthilfegruppen.

Oktober 2003

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