STIKO empfiehlt Windpocken-Impfung...
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt, alle Kinder gegen Windpocken zu impfen. Kleinkinder könnten in Zukunft im Rahmen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung auch gegen Windpocken geimpft werden. Ein entsprechender Kombinationsimpfstoff gegen die vier Infektionskrankheiten sei in der klinischen Prüfung. Die Impfung sollte auch bei Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 18 Jahren, die keinen Immunschutz besitzen, in Betracht gezogen werden.
Die Bedeutung und Folgen von Windpocken- (Varizellen-) Infektionen wurden bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie in Mainz erläutert:
In Deutschland treten pro Jahr ca. 750 000 Windpocken-Erkrankungen auf, bei knapp 6% der Fälle komme es zu Komplikationen, die vor allem bei älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem zu schweren Krankheitsverläufen führen können.
Durch die große Zahl von Fehltagen, vor allem bedingt durch die Betreuung der an Windpocken erkrankten Kinder, entstehe zudem auch ein beträchtlicher volkswirtschaftlicher Schaden.
Varizellen-Infektionen während der Schwangerschaft können außerdem zu teilweise ernsthaften Komplikationen führen. Wie bei der Jahrestagung in Mainz beschrieben, besitzen schätzungsweise 3-4% der Frauen in Deutschland keinen Immunschutz gegen Windpocken. Bei einer Erkrankung in den ersten 24 Wochen der Schwangerschaft werde jedes vierte Ungeborene über die Plazenta mit dem Varizellen-Virus infiziert, was zu einem sogenannten Fetalen Varizellensyndrom mit Hautläsionen, Anomalien des ZNS und Skelettes und Augenerkrankungen führen könne. In jedem 20. Fall komme es zu einem Spontanabort. Eine Erkrankung im letzten Drittel der Schwangerschaft führe in 5 bis 10% der Fälle zu einer gefährlichen Pneumonie bei der werdenden Mutter. Bei einer Infektion der Mutter wenige Tage vor bis zu zwei Tage nach der Geburt könne das Kind eine neonatale Varizellen-Erkrankung bekommen, was bei jedem fünften Neugeborenen zum Tod führe.

