Fettleibigkeits-Gen entdeckt? / Schlechte Laune durch Diäten?...

Einige Meldungen zum Thema Übergewicht und Diäten...

Fettleibigkeits-Gen entdeckt?

Britische Forscher fanden heraus, dass bei übergewichtigen Menschen das Gen GAD2 besonders aktiv ist. Das Gen kurbelt die Produktion des Nervenbotenstoffes GABA an, welcher im Gehirn mit einem anderen Molekül reagiert, das den Appetit anregt.

Die Forscher weisen jedoch auch daraufhin, dass es nicht nur an den Erbanlagen liege, dass jemand dick werde.

Deutsche Kinder werden immer dicker

Rund 25% aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind nach Angaben von Prof. Joachim Misselwitz, Leiter der Jahrestagung der Sächsisch-Thüringischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, übergewichtig. Ein Drittel von von ihnen bleibt bis zum Erwachsenenalter dick, Spätfolgen sind Diabetes, Knochen- und Gelenkprobleme und psychische Störungen. Eine Behandlung und Vorbeugung müsse daher unbedingt schon im Kindesalter einsetzen.

Dabei kann laut der "Reformhaus Information" schon mit kleinen Maßnahmen ein Übergewicht bei Kindern vermieden werden. Statt Weißmehlprodukten, die viele "leere "Kalorien besitzen, sollten mehr und mehr Vollkornprodukte angeboten werden, z.B. indem Vollkornnudeln unter die weißen Nudeln gemischt werden. Die Sahne für Soßen kann zur Hälfte durch Milch ersetzt werden. Kalorienarme Brotbeläge und -aufstriche sind Putenwurst und Kräuterquark und Frischkäse, Butter kann auch durch Tomatenmark ersetzt werden.

Das Essen sollte in kleinen Portionen angeboten werden, das Kind die Zusammenstellung des Essens auf seinem Teller selbst mitbestimmen können. Regelmäßige, gemeinsame Mahlzeiten sind wichtig, wobei durch ein wechselndes Angebot an verschiedenen Kohlenhydraten (Kartoffeln, Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Milchprodukte) eine ausgewogene Ernährung erzielt werden kann.

Neue Ansätze zur Gewichtsreduktion

Viele verschiedene Diäten versprechen derzeit eine Gewichtsreduktion: Atkins-Diät (keine Kohlenhydrate, unbegrenzt Eiweiß und Fett), Low Carb- oder South Beach-Diät (Motto: wenig Kohlenhydrate, viele pflanzliche, aber wenig tierische Fette), Mittelmeerdiät (viel Olivenöl, Gemüse und Fisch, Fleisch in Maßen), Glyx-Diät (bevorzugt Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischen Index). Hier noch zwei Meldungen über neue Methoden:

Methode der Krebstherapie zur Gewichtsreduktion

Eine Methode zur Krebstherapie beruht darauf, dass Blutgefässe zerstört werden, die Blutzufuhr zum Tumorgewebe unterbunden wird, die Versorgung mit Nährstoffen abgeschnitten wird und der Tumor letztendlich abstirbt. Dasselbe Prinzip wurde von amerikanischen Wissenschaftlern bei Mäusen erfolgreich auf Fettgewebe angewandt, d.h. Fettgewebe wurde von der Blutzufuhr abgeschnitten.

Ein spezieller Wirkstoff, der an ein Protein an der Oberfläche von Blutgefäßen bindet und schließlich zum programmierten Zelltod (Apoptose) führt, wurde fettleibigen Mäusen injiziert. Die Mäuse zeigten bei regelmäßiger Injektion des Wirkstoffes einen geringeren Appetit, ihr Gewicht wurde um 30% reduziert.

Wirkstoff gegen Rauchen und Übergewicht

Der Wirkstoff Rimonabant, der aus Untersuchungen über die Wirkung von Marihuana im Gehirn hervorgegangen war, soll helfen, das Verlangen nach Nikotin oder Essen zu unterdrücken. Beim Rauchen oder beim Essen kalorienreicher Nahrung bewirkt ein überaktives Transmittersystem mit körpereigenen Cannabinoiden, dass Fettzellen vermehrt Fett anreichern und dass bestimmte Gehirnbereiche ein Verlangen nach noch mehr Nikotin oder Nahrung erzeugen. Rimonabant blockiert Endocannabinoid-Rezeptoren in Gehirn und Fettzellen und soll bis 2006 auf den Markt kommen.

Bei einer Studie mit 1000 übergewichtigen Personen konnten 73% ihr Gewicht um mehr als 5%, 44% der Studienteilnehmer um mehr als 10% reduzieren und diese Gewichtsreduktion sogar über ein Jahr halten. Bei Rauchern konnten 36% von ihrer Zigarettensucht befreit werden.

Diät als Schutz vor Arteriosklerose

Während die Atkins-Diät (keine Kohlenhydrate, viel Fett und Eiweiß) in Studien tatsächlich zu Gewichtsverlusten und dadurch zu einer Senkung des Blutdruckes und der Triglycerid-Werte führt, erhöht sie nach Ansicht von Ärzten langfristig das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Gerade der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren, die mit der Atkins-Diät in hohen Mengen aufgenommen werden, wirke sich sehr nachteilig auf das Gefäßsystem aus.

In den USA läuft zur Zeit eine Klage gegen die Firma von Robert C. Atkins. Ein 53-jähriger Mann hatte die Atkins-Diät zwei Jahre lang durchgeführt und musste dann operiert werden, weil eine Hauptarterie zu 99% blockiert war. Schon zu Beginn der Diät sei der Cholesterinwert deutlich angestiegen - von 146 auf 230. Ein erhöhter Cholesterinwert komme bei einem Drittel der Menschen, die mit der Atkins-Diät abspecken wolle, vor. Zwei Wochen nach dem Abbruch der Diät normalisierte sich der Cholesterinwert wieder.

Eine amerikanische Studie mit 18 Teilnehmern zeigte, dass eine langfristige kalorienreduzierte Diät ein guter Schutz vor Arteriosklerose zu sein scheint. Die Studienteilnehmer nahmen knapp 2000 Kalorien täglich zu sich, ihre Nahrung enthielt 26% Eiweiß, 28% Fett und 46% Kohlenhydrate. Süßspeisen wurden vermieden. Eine Kontrollgruppe nahm bis zu 3500 Kalorien täglich zu sich, davon 18% Eiweiß, 32% Fett und 50% Kohlenhydrate. Der Vergleich der Gruppen ergab, dass bei den Probanten die Wanddicke der Karotis um 40% geringer war und auch andere Arteriosklerose-Faktoren (Serumlipide, Lipoproteine, Blutzucker, Insulin, CRP und Blutdruck) niedriger waren als bei der Kontrollgruppe.

Schlechte Laune durch Diäten?

Amerikanische Forscher weisen darauf hin, dass Diäten, bei denen die Aufnahme von Kohlenhydraten stark eingeschränkt wird, zu Stimmungsschwankungen führen können, da Kohlenhydrate helfen, die Produktion des Botenstoffes Serotonin zu stimulieren.

In einer Studie wurde festgestellt, dass das Gehirn nur dann Serotonin bildet, wenn süße oder stärkehaltige Kohlenhydrate und gleichzeitig nur wenig oder gar kein Eiweiß aufgenommen werden. Daher würden z.B. Nudeln die Bildung von Serotonin ankurbeln, während ein Essen aus Huhn und Kartoffeln keine vermehrte Serotonin-Bildung ergibt.

Bei Frauen wirke sich ein Kohlenhydrat-Mangel stärker aus als bei Männern. Manche Menschen benötigten eine bestimmte Kohlenhydratmenge, um ihre Stimmung konstant zu halten. Bei Stimmungsschwankungen sollten diese süße oder stärkehaltige Nahrungsmittel zu sich nehmen, eine Aufnahme von Eiweißen führe hingegen zu Gereiztheit und Ruhelosigkeit.

Juni 2004

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