Akupunktur hilft, erhöht aber die Behandlungskosten / Wirkung der Akupunktur ist nicht nur Placebo-Effekt...
Akupunktur hilft, erhöht aber die Behandlungskosten
Noch in diesem Jahr will der Gemeinsame Bundesausschuss entscheiden, ob Akupunktur Kassenleistung wird.
Wie in unseren Medizin News Februar 2004 beschrieben, läuft seit einigen Jahren eine Großstudie zur Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Akupunktur. Die Studie wird von zwölf Krankenkassen unter Federführung der Techniker Krankenkasse und in Zusammenarbeit mit der Charité in Berlin durchgeführt. Aktuelle Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden nun bekannt gegeben:
Eine Auswertung von Daten über einen Zeitraum von drei Jahren und drei Millionen Behandlungen von 314 000 Patienten konnte den Nutzen der Akupunktur bestätigen: Bei Kopf- und Arthroseschmerzen, Schmerzen an der Hals- oder Lendenwirbelsäule, Asthma, Dysmennorrhoe und Heuschnupfen konnte durch eine ergänzende Behandlung mit Akupunktur in 73 bis 90% der Fälle eine dauerhafte Linderung erreicht werden.
Eine langanhaltende Linderung der Leiden wurde bei 90% der behandelten Allergiker und bei ca. 75% der Patienten, die unter Kopfschmerzen oder Lendenwirbelsäulenschmerzen litten, erreicht. Bei Arthroseschmerzen am Knie profitierten 85% der Patienten langfristig von der Akupunkturbehandlung, bei Asthma waren es 82%, bei Regelschmerzen 85%. Nebenwirkungen wurden nur selten beobachtet.
Gemäß den Studienergebnissen erhöht die Behandlung mit Akupunktur, verglichen mit der üblichen Standardtherapie, jedoch die Behandlungskosten im Schnitt um 320 Euro je Patient.
Wirkung der Akupunktur ist nicht nur Placebo-Effekt
Eine aktuelle britische Studie beschäftigte sich ebenfalls mit der Wirkung von Akupunktur. Bei Patienten mit chronischen Nackenschmerzen war durch Akupunktur eine deutliche Linderung der Schmerzen erzielt worden. Ähnlich gute Ergebnisse hatte jedoch auch eine Scheinakupunktur erbracht, bei der die Haut zwar mit der Akupunkturnadel berührt wird, die Nadel jedoch nicht in die Haut eindringt und die für die Patienten nicht von der tatsächlichen Akupunktur zu unterscheiden ist.
Um eine Wirkung von Akupunktur auf das Gehirn zu untersuchen, wurden in der aktuellen Studie 14 Patienten, die unter Arthroseschmerzen am Daumen litten, mit Akupunktur, Scheinakupunktur und einem leichten Kratzen auf der Haut behandelt und dabei mittels Positronen-Emmissions-Tomographie (PET) gemessen, welche Gehirnregionen aktiviert werden.
Sowohl bei der echten Akupunktur als auch bei den Scheinbehandlungen konnte eine erhöhte Aktivität in den Gehirnregionen, die nach Schmerzreizen endogene Opiate freisetzen und dadurch Schmerzen unterdrücken, gemessen werden. Die Forscher schließen daraus, dass ca. 80% der Wirkung der Akupunktur ein Placebo-Effekt ist, der auf der Erwartungshaltung der Patienten beruht.
Im Unterschied zu den Scheinbehandlungen wurde jedoch bei der echten Akupunktur noch eine weitere Region der Großhirnrinde, die Insula, stärker aktiviert. Bisher wurde diese Region nicht mit Schmerzverarbeitung in Verbindung gebracht, daher sollen weitere Untersuchungen den Zusammenhang der Insula-Region und der Akupunktur-Wirkung klären.


