Lärmgeschädigte Gesellschaft...
Am "Tag des Lärms", der Ende April stattfand, wurden vermehrt Stimmen für einen wirkungsvolleren Lärmschutz laut.
2002 forderte die EU zwar Lärmkarten für Ballungsräume sowie entsprechende Gegenmaßnahmen, ein wirkungsvoller und gezielter allgemeiner Lärmschutz steht jedoch in Deutschland noch aus. Ein Lärm-Sanierungsprogramm gibt es z.B. nur für Straßen des Bundes, bei den Kreisstraßen, für die der Bund nicht zuständig ist, gibt es keine Aktionspläne gegen die Lärmbelästigung.
Nicht nur Straßenlärm und Lärm am Arbeitsplatz, sondern zunehmend auch Lärm in der Freizeit belästige die Menschen. Nach Aussage von Professor Karl Karst vom Verein "Initiative Hören" hat in ganz Europa der Lärm in den letzten 50 Jahren um das 30-fache zugenommen.
Die Bundesärztekammer (BÄK) warnt seit Jahren vor Schwerhörigkeit bei Kindern. Ein Sprecher der BÄK betonte, dass jeder vierte Jugendliche schwerhörig ist und dass ein Drittel der Jugendlichen spätestens mit 50 Jahren ein Hörgerät benötigen würde. Heute leiden ca.16 Millionen Deutsche unter Hörstörungen.
Die Bundesärztekammer fordert eine Lärmbegrenzung auch in der Freizeit, gerade in der Disko oder bei Spielzeugen. Ab einem Geräuschpegel von 85 Dezibel kann eine Schädigung des Gehörs auftreten, in Diskos liegt der Pegel oft höher als 105 Dezibel. Auch ein einmaliger lauter Knall wie bei Silvesterböllern kann zu lebenslangen Hörschäden führen.
Der 103. Ärztetag fordert von der Regierung eine gesetzliche Lärmbegrenzung: in Diskos sollten maximal 95 Dezibel, bei Spielzeugen maximal 80 Dezibel erlaubt sein.
In der Schweiz, die härtere Vorschriften zur Lärmbegrenzung hat, kennt man in Diskos ein wirkungsvolles Mittel: ab einem bestimmtem Lärmpegel fliegen die Sicherungen heraus.
Dass Lärm nicht nur Gehörschäden hervorruft, zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes. Nach dieser Untersuchung gibt es einen Zusammenhang zwischen Lärm und dem Herzinfarktrisiko. Eine Untersuchung von 4115 Patienten aus 32 Berliner Krankenhäusern ergab, dass bei Männern das Herzinfarktrisiko um 30% ansteigt, wenn sie längere Zeit hohem Verkehrslärm ausgesetzt sind (Schallpegel von über 65 Dezibel im Außenbereich).
Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, steigt bei Männern um etwa 30 Prozent, falls sie längere Zeit in Gebieten mit hohem Verkehrslärm, deren mittlerer Schallpegel im Außenbereich am Tag über 65 Dezibel liegt. Bei Frauen wurde ein derartiger Zusammenhang nicht beobachtet, die Gründe dafür sind ungeklärt. Durch nächtlichen Fluglärm wurde jedoch sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt beobachtet.
Auch Lärm am Arbeitsplatz, insbesondere Lärm, der von Kollegen oder Geräten verursacht wird, führt bei Männern zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko.

