Borderline: Der Zwang, sich selbst zu verletzen...
Borderline-Störungen betreffen inzwischen 1,5% der Bevölkerung und treten häufiger als Schizophrenie auf. Borderline-Patienten fühlen einen inneren Zwang, ausgelöst durch eine starke, nicht mehr erträgliche innere Anspannung, sich selbst zu verletzen. Sie schneiden sich z.B. mit Messern oder Rasierklingen, verbrennen sich am Bügeleisen.
Ursachen sind neben einer genetischen Veranlagung vor allem sexueller Missbrauch im Kindesalter (bei 35 bis 70% der Patienten), emotionale Vernachlässigung (bei 80%) oder körperliche Gewalt (ca. 50%). Häufig treten zusammen in Zusammenhang mit dem Borderline-Syndrom auch posttraumatische Belastungsstörungen und ADHD auf.
Man schätzt, dass fünf bis acht Prozent der 14jährigen Kinder von der Borderline-Erkrankung betroffen sind. Jedoch fügen sie sich die Verletzungen meist in anderer Form als ältere Betroffene zu: sie setzen sich in Ameisenhaufen, laufen durch Dornenbüsche oder vor Autos.
Bei Borderline-Patienten wurde eine Überregbarkeit sowie ein Vergrößerung der Amygdala festgestellt. Die Amygdala wird mit dem Furchtgedächtnis assoziiert, die bei den meisten Patienten aufgetretenen traumatischen Ereignisse hinterlassen so ihre Spuren im Gehirn.
Die Behandlung der Patienten erfolgt zum einen medikamentös, vor allem durch Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, zum anderen in einer speziellen Form der Verhaltenstherapie. Nach ersten Studien haben nach sechs Jahren Behandlung bei 75% der Patienten die Störungen nachgelassen, nur 6% werden rückfällig, bei 25% ist die Erkrankung chronisch.

