Neuer Therapieansatz bei Gewaltverbrechern...

Tübinger Hirnforscher sehen die Möglichkeit,  Gewalttäter mit einer neuartigen Therapie von Wiederholungsdelikten abzuhalten. Die Arbeitsgruppe von Professor Niels Birbaumer am Institut für medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie in Tübingen stellte fest, dass bei Gewalttätern in Situationen, die für normal empfindende Menschen äußerst aufwühlend sind, ein bestimmtes Gehirnareal zu wenig durchblutet wird.

Gewalttäter zeigen ein stark gestörtes Sozialverhalten, sie können kaum emotionale Anteilnahme empfinden, ihre Hemmschwelle ist stark herabgesetzt, gegenüber verhaltenstherapeutischen Maßnahmen sind sie daher in der Regel völlig unempfänglich. Mittels Kernspintomografie verfolgten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität von Kriminellen beim Betrachten von erschütternden oder emotional sehr anrührenden Bildern. Dabei zeigte sich, dass im Gehirn von Gewaltverbrechern die Amygdala (auch als Mandelkern bezeichnet) in den entsprechenden Situationen viel weniger durchblutet ist als bei normal empfindenden Menschen. 

Die Amygdala stellt eine Art emotionale Alarmzentrale im Gehirn dar. Sie verknüpft eingehende Informationen der Sinnesorgane mit Gefühlen und leitet sie an die anderen Hirnbereiche weiter, erst dann wird das Bewusstsein mit eingeschaltet. Die Amygdala spielt daher bei der Entstehung von Angst und Emotionen eine wichtige Rolle und ist für die Entstehung von Hemmschwellen (Angst vor Strafe, Angst vor negativen Folgen des eigenen Verhaltens) sehr wichtig. 

Die Tübinger Forscher wollen in ihrem Therapieansatz die Kriminellen dazu bringen, die Amygdala wieder zu durchbluten, dadurch wieder Angst und Hemmschwellen zu kennen und somit die Ursache für das Fehlverhalten zu beseitigen. Dies soll mit der klassischen Methode der Konditionierung geschehen, nach der auf einen Erfolg eine Belohnung folgt. Die Probanden sehen ihre mit Kernspintomograph aufgezeichnete Hirnaktivität auf einem Monitor und lernen durch Konzentrationsübungen, die Durchblutung der Amygdala anzuregen. Wenn es ihnen dann gelingt, die Amygdala in kritischen emotionalen Situationen (z.B. im Falle eines Sexualstraftäters beim Anblick einer nackten Frau) zu durchbluten, erhalten die Versuchsteilnehmer eine Belohnung. 

Um Gewalttäter aber überhaupt zur Zusammenarbeit bewegen zu können, schlagen die Forscher eine Belohnung in Form von Geld vor, da normales Lob bei Ihnen keine große Wirkung haben würde: "Psychopathen kann man nur mit Geld locken". Die Tübinger Forscher wollen ihre Therapie mit 10 aus der Haft entlassenen Straftätern testen, je Proband sind 10 Sitzungen vorgesehen, die Finanzierung des Projektes übernimmt die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

April 2005

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