Heuschnupfen: Neue Therapieansätze / Aktuellere Pollenflug-Informationen...

Einige Meldungen zum Thema "Heuschnupfen & Co.":

 
Aktuelle Situation

Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) sind derzeit etwa 20% der Erwachsenen von Allergien (Hausstauballergien, Heuschnupfen, Kontaktallergien z.B. gegen Nickel, sowie anderen Allergieformen) betroffen, man rechnet damit, dass in fünf Jahren schon 50% der Erwachsenen zu den Allergikern gehören.

Etwa 12 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Heuschnupfen, unter den Personen, die 2004 erstmals an Heuschnupfen erkrankt sind, waren auch sehr viele Menschen in einem Alter über 50 Jahren. Aufgrund der Klimaerwärmung wird die Heuschnupfensaison immer länger (Birken blühen teilweise schon einen Monat früher als vor 10 Jahren). Die Konzentration der Pollen steigt seit Jahrzehnten stetig an, man vermutet zudem, dass es durch eine Verbindung von Pollen mit Feinstaubpartikeln zu besonders aggressiven Allergenen kommen kann.

Hygiene-Hypothese und Allergie-Impfung

In der in den letzten Jahren entwickelten "Hygiene-Hypothese" wurden Erkenntnisse über die Allergieentstehung zusammengefasst. Gemäß der Hygiene-Hypothese fördert eine zu saubere und keimfreie Umgebung im Säuglings- bzw. Kleinkindalter, d.h. die fehlende Konfrontation mit Bakterien und anderen Reizstoffen, das Entstehen von allergischen Erkrankungen. Das Immunsystem von Neugeborenen besitzt noch keine T-Helferzellen vom Typ 1 (TH1-Zellen). Dieser Typ der weißen Blutkörperchen wird in den ersten Lebensmonaten gebildet, TH1-Zellen produzieren bei einem Kontakt mit Allergenen u.a. den Botenstoff Interferon und schützen den Körper gegen Bakterien, Viren oder andere Fremdstoffe. Für die Bildung der TH1-Zellen sind neben der Ernährung und dem Aufbau der Darmflora auch Infektionen wichtig.

Bei gesunden Menschen existiert ein Gleichgewicht zwischen den TH1-Zellen und dem zweiten Typ der T-Helferzellen, den TH2-Zellen. Bei Allergikern besteht ein Überschuss an TH2-Zellen, welche Signalstoffe abgeben, die die Produktion von ImmunoglobulinE-Antikörpern ankurbeln und allergische Entzündungsreaktionen begünstigen.

Einige Therapieansätze gegen Heuschnupfen und andere Allergien versuchen, das Gleichgewicht der T-Helferzellen wiederherzustellen. Eine Forschergruppe der Technischen Universität München beschäftigte sich vor einiger Zeit mit einer "Allergie-Impfung", bei der gleichzeitig Bakterien-DNA und die allergieauslösende Substanz gegeben wird. Bei Mäusen konnte durch diese Methode die allergische Reaktion des Immunsystems unterbunden werden. Erste klinische Studien an Menschen waren vielversprechend. Diese Allergie-Impfung macht sich spezielle Rezeptoren auf den menschlichen Immunzellen, die für die Erkennung von Mikroorganismen verantwortlich sind, zunutze.

Bandwürmer gegen Heuschnupfen

Ein weiterer Therapieansatz gegen Heuschnupfen geht davon aus, dass die Zunahme von Allergien damit zusammenhängt, dass in den Industrieländern durch die verbesserten Hygienebedingungen Wurmerkrankungen nur noch selten auftreten.

Nach Ansicht des Molekular- und Mikrobiologen Klaus Brehm von der Universität Würzburg kann eine absichtliche Wurminfektion mit ungefährlichen Band- oder Hakenwürmern (z.B. Rinder- oder Fischbandwürmern) Heuschnupfen-Patienten helfen.

Die Reaktion des menschlichen Immunsystems auf einen Wurmbefall sei ähnlich wie eine allergische Antwort des Immunsystems. Bei der Therapie von Autoimmunerkrankungen konnten Würmer bereits erfolgreich eingesetzt werden, dort konnten die Würmer bei einer Infektion generell das Immunsystem unterdrücken und so eine Linderung der Autoimmunkrankheit bewirken.

Derzeit laufen Untersuchungen, ob und wie der Wurm und der menschliche Körper miteinander kommunizieren, d.h. ob Hormone oder Botenstoffe eine Rolle spielen und ob dies ein Grund dafür sein kann, dass das menschliche Immunsystem die Bandwurm-Larven nicht abstößt.

Akupunktur gegen Heuschnupfen

Die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur berichtet über erfolgreiche Versuche, den Heuschnupfen durch Akupunktur zu bekämpfen. Durch 6-8 Akupunkturbehandlungen von jeweils einer halben Stunde, bei der Nadeln im Gesicht, am Ohr und an den Armen gesetzt werden, kann bei einigen Patienten ein über mehrere Jahre anhaltender Therapieerfolg erzielt werden.

Diese Art der Therapie ist unabhängig vom Alter der Patienten, sie kann auch noch während der Pollensaison und bei bereits unter Heuschnupfen leidenden Patienten effektiv eingesetzt werden. In der Regel stellt man in den ersten beiden Wochen der Therapie fest, ob die Therapie erfolgsversprechend ist oder nicht.

Exaktere Informationen über Pollenflug

In einem gemeinsamen Projekt von zwei Fraunhofer-Instituten, dem Deutschen Wetterdienst, der Universität Freiburg und Partnern aus der Industrie wurde ein neuartiger automatischer Pollenmonitor entwickelt.

Bisher werden die Pollen manuell unter dem Mikroskop ausgezählt, die Angaben über Pollenkonzentrationen und Pollenflugvorhersagen entsprechen daher oftmals nicht den aktuellen Daten, sonders spiegeln oftmals eher die Situation von vor ein bis zwei Tagen wider.

Der neue Pollenmonitor kann mit einer entsprechenden Software Pollen und Sporen schnell und automatisch klassifizieren und die Konzentration der einzelnen Pollen bestimmen und die aktuellen Werte im Stundentakt Ärzten, Allergikern, Medien und den Vorhersagediensten zur Verfügung stellen. Derzeit laufen erste Testmessungen, wenn die Tests erfolgreich verlaufen, kann bereits in einem Jahr der erste Pollenmonitor zu Einsatz kommen.

April 2005

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