Zunehmende Multiresistenzen bei Tuberkulose / neuer Impfstoff wird erprobt...

Eine "Nachlese" zum Welt-Tuberkulose-Tages am 24.März :

Allgemeine Zahlen zur Tuberkulose

Tuberkulose wird durch das von Robert Koch im Jahre 1882 entdeckte Mycobacterium tuberculosis ausgelöst. Weltweit tragen rund zwei Milliarden Menschen das Bakterium in sich, jährlich erkranken acht Millionen Menschen an Tuberkulose, bei einem Drittel mit Todesfolge. Damit hat die Tuberkulose weltweit die höchste Sterberate unter den behandelbaren Infektionskrankheiten. 

Tuberkulose tritt vor allem in Entwicklungsländern, neuerdings aber auch sehr stark in Osteuropa auf und ist meist mit einem verstärkten Auftreten von HIV assoziiert. Sie ist bei AIDS-Patienten die häufigste Todesursache.

Tuberkulose kann durch rechtzeitige und konsequente Behandlung mit Antibiotika geheilt werden. Dabei wird eine Kombination aus verschiedenen Medikamenten (Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol, Streptomycin, Pyrazinamid) eingesetzt, um die Gefahr der Resistenzbildung des Bakteriums zu verringern. Bei einem verfrühten Abbruch der Behandlung, bei falscher Dosierung oder nicht eingehaltenem Behandlungsschema entwickeln die Bakterien Resistenzen gegen das Medikament.

In Deutschland gab es im Jahr 2002 7.684 Neuerkrankungen bei insgesamt rückläufigen Trend, mit der bevorstehenden Ost-Erweiterung der EU wird Tuberkulose jedoch weiterhin auch in Deutschland ein aktuelles Thema bleiben.

Multiresistente Tuberkulose-Erreger

Die WHO warnt vor einer Zunahme von multiresistenten Tuberkulose-Erregern, die gegen die herkömmlichen Medikamente resistent sind und die vor allem in Osteuropa und Zentralasien vermehrt auftauchen (MDR TB = multi drug resistance TB). Weltweit sind schätzungsweise 50 Millionen Menschen mit einer derartigen multiresistenten Tuberkulose infiziert, jährlich gibt es 300.000 neue Fälle.

Regionen mit besonders hoher Resistenz gegen die üblichen Medikamente sind u.a. Estland, Lettland, Litauen, Kasachstan, Usbekistan, wo bei jedem zehnten Tuberkulose-Patienten die gängigen Medikamente nicht mehr wirken. Auch in China treten immer mehr resistente Tuberkulosestämme auf.

Um die Tuberkulose-Erkrankungen und die Entstehung multiresistenter Tuberkulose einzudämmen, fordert die WHO eine konsequente Umsetzung der "DOTS-Programme" ("directly observed treatment, short course"), mit denen die richtige Behandlung der Tuberkulosepatienten sichergestellt werden soll. Entsprechend ausgebildete DOTS-Ansprechpartner vor Ort sollen bei der Umsetzung und Kontrolle der Behandlungsmaßnahmen mitwirken. 

Neuer Impfstoff gegen Tuberkulose in Sicht?

Die gängige Tuberkulose-Schutzimpfung verwendet den Lebendimpfstoff BCG und schützt Kinder vor bestimmten Tuberkuloseformen, nicht aber vor der Lungentuberkulose der Erwachsenen. Dieser Impfstoff besteht aus abgeschwächten Bakterien, die nahe mit dem Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis verwandt sind.

Deutsche Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie arbeiteten daher an der Entwicklung eines neuen Impfstoffes, der eine effektivere Immunantwort bewirkt. Dabei wurde eine gentechnisch veränderte Variante des BCG-Impfstoffes eingesetzt. Der neue Impfstoff könnte in frühestens 5 Jahren auf den Markt kommen, mit ersten Tests an Menschen ist im nächsten Jahr zu rechnen.

Die Forscher vermuten, dass die bei der üblichen Schutzimpfung injizierten BCG-Bakterien in sogenannte Phagosomen eingeschlossen werden. Bei der neuen Variante wurde den BCG-Bakterien ein Protein eingebaut, mit dessen Hilfe die Bakterien die Hülle der Phagosomen durchlöchern können und somit für das Immunsystem leichter erkennbar werden. Letztendlich führe dies zu einer effektiveren Immunantwort.

Neuer Wirkstoff gegen multiresistente Bakterien

Hoffnung im Kampf gegen multiresistente Bakterien kann folgende Meldung geben:

Einen neuartigen Wirkstoff gegen multiresistente Staphylococcen und Vancomycin-resistente Enterococcen haben Wissenschaftler entdeckt. Der Stoff hat eine dem Tetracyclin verwandte Struktur, besitzt jedoch offensichtlich einen neuartigen Wirkungsmechanismus, da er nicht wie andere Antibiotika bei der Zellwand-, DNA-, RNA- oder Proteinbioynthese der Bakterien ansetzt. Auch konnten bisher noch keine Kreuzresistenzen zu anderen Antibiotika-Gruppen festgestellt werden.

Die neue Substanz wurde im Rahmen eines europäischen Projektes aus Streptomyceten, die in einer italienischen Höhle gefunden wurden, isoliert. Die Erforschung des Wirkungsmechanismus sowie umfangreiche Labor- und Tierversuche stehen noch aus.

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