AIDS: Neue Forschungserkenntnisse...

Durch die wieder zunehmende Sorglosigkeit und die Vernachlässigung von "Safer Sex" (durch Überschätzung der medizinischen Erfolge und Unterschätzung der tatsächlichen Gefahr)  wird AIDS auch in Deutschland weiterhin ein wichtiges Thema bleiben. Einige aktuelle Forschungsergebnisse und Meldungen zu HIV und AIDS:

USA: Erster Speicheltest für AIDS-Virus

Vor wenigen Wochen wurde in den USA ein Test zugelassen, mit dem das HIV-Virus nicht im Blut, sondern im Speichel nachgewiesen wird. Nach einem Abstrich im Mund steht nach knapp einer halben Stunde das Ergebnis fest. Der Test sei zu 99% zuverlässig, darf aber nur von Ärzten und nicht vom Patienten selbst im Heimgebrauch durchgeführt werden

Beschneidung schützt vor HIV-Infektion

Eine Studie von Forschern der  Johns Hopkins Universität in den USA und des indischen Aids-Forschungsinstituts in Pune fand heraus, dass eine Beschneidung bei Männern das Infektionsrisiko mit HIV-1 im Vergleich zu unbeschnittenen Männern auf ein Sechstel reduziert. 

Jedoch schützt die Beschneidung nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Herpes-simplex Typ2, Syphilis oder Gonorrhoe.

Die schützenden Wirkung der Beschneidung beruht vor allem auf der Entfernung der Vorhaut, welche eine große Konzentration an HIV-1-Zielzellen (CD4+-T-Lymphozyten, Langerhanszellen) besitzt, die für das Virus relativ leicht zugänglich sind. 

Infektiöse HIV-Stämme haben charakteristische Oberflächenmerkmale

In einer Studie mit heterosexuellen Paaren in Sambia stellten Forscher der Universität von Alabama heraus, dass HI-Viren, die auf die Partner übertragen wurden, spezielle molekularbiologische Eigenschaften aufweisen. Insbesondere das Hüllprotein gp120, das vom Virus benötigt wird, um an menschliche Zellen andocken und in sie eindringen zu können, ist bei den infektiösen Viren deutlich kleiner als bei anderen HI-Viren des Überträgers. 

Viren, welche die verkleinerten Oberflächenproteine besitzen, können vermutlich leichter die Zellen des Sexualpartners infizieren und sich auch leichter vermehren. Andererseits erwiesen sich diese übertragenen HI-Viren als deutlich empfindlicher auf neutralisierende Antikörper, menschliche Antikörper können einfacher andocken und die Viren neutralisieren als dies bei anderen Viren der Fall ist. 

Vermutlich vermehren sich direkt nach einer Ansteckung, also in der Phase, in der das Immunsystem noch keine Antikörper entwickelt hat, zunächst die infektiösen, aber empfindlichen HIV-Stämme. Später setzen sich weniger infektiöse, aber resistentere Stämme durch.

Die Forscher erhoffen sich durch diese Erkenntnisse weitere Fortschritte in der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen HIV und AIDS.

 

GBV-C-Virus schützt vor Ausbruch von AIDS

Eine im "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Untersuchung bestätigte, dass eine Infektion mit dem GBV-C-Virus bei HIV-Infizierten den Ausbruch von AIDS hemmt. Das GBV-C-Virus ist mit dem Hepatitis-C-Virus verwandt, verursacht jedoch bei Menschen scheinbar keine Krankheit. 

Die 271 HIV-positiven Männer der Studie, deren Blut zusätzlich GBV-C-Viren enthielt, hatten ein dreimal niedrigeres Sterberisiko als HIV-positive Männer ohne GBV-C.

Eine Erklärung für die Schutzwirkung des GBV-C-Virus  können die Wissenschaftler jedoch zur Zeit noch nicht geben.

April 2004

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