Krebs durch Kunstlicht in der Nacht?...
Im Jahre 1987 wurde vom amerikanischen Mediziner Richard Stevens eine recht kontrovers diskutierte Hypothese aufgestellt, nach der zwischen Licht in der Nacht und der Zunahme von bestimmten Krebsarten ein Zusammenhang bestehen sollte. Ausgangspunkt war die unerklärliche stetige Zunahme von Brustkrebsfällen, vor allem in Industrieländern, in den vergangenen Jahrzehnten.
Nach dieser Hypothese soll das von der Epiphyse (Zirbeldrüse) gebildete Hormon Melatonin, das vor allem nachts und bei bei Dunkelheit gebildet wird, eine zentrale Rolle spielen. Wird durch Lichteinwirkung in der Nacht die Bildung von Melatonin unterdrückt, so bewirke der niedrige Melatoninspiegel eine Zunahme der Östrogenkonzentration, Östrogene wiederum seien ein Faktor für die Entstehung von Brustkrebs. Tatsächlich trat bei blinden Frauen Brustkrebs nur halb so oft auf wie bei Sehenden.
Eine neue Studie an der Harvard Medical School analysierte Daten von 120.000 Krankenschwestern, die im Rahmen einer statistischen Datensammlung alljährlich befragt werden. Die im "Journal of the National Cancer Institute" veröffentlichten Ergebnisse zeigten, dass bei häufigem Nachdienst eine erhöhte Zahl an Brustkrebserkrankungen festgestellt wurde. Krankenschwestern, die 30 Jahre lang mindestens dreimal im Monat im Nachtdienst gearbeitet hatten, hatten ein um 36% erhöhtes Risiko für Brustkrebs.
Forscher an der Universität in Philadelphia untersuchten die Auswirkung der verschiedenen Lichtanteile auf die Melatoninkonzentration. Dabei wurde die Melatoninbildung vor allem durch blaues Licht unterdrückt, rotes und gelbes Licht hatten dagegen kaum eine Wirkung auf den Melatoninspiegel. Überlegungen gehen nun in die Richtung, ob die Nachtbeleuchtung in Zukunft geändert werden sollte, indem z.B. die blauen Lichtanteile herausgefiltert werden.
Nach diesen Erkenntnissen gibt es zwar einige Hinweise für einen Zusammenhang von Licht und Krebs, der letztendliche Beweis, dass Licht tatsächlich eine wesentliche Ursache der Krebsentstehung ist, steht jedoch noch aus und ist Gegenstand weiterer Forschungen.

