Störung des Kalzium-Haushaltes bei Farbenblindheit (Achromatopsie)...
Die für das Tages- und Farbensehen zuständigen Photorezeptoren in der Netzhaut, die Zapfen, zeigen bei Menschen mit angeborener Farbenblindheit eine Fehlfunktion, während die lichtempfindlichen Stäbchen in der Netzhaut, welche für das Sehen in der Dämmerung vorgesehen sind, problemlos funktionieren. Am Tage können daher Personen mit Farbenblindheit keine oder fast keine Farben erkennen, besitzen eine mangelnde Sehschärfe und werden leicht geblendet.
Dass Farbenblindheit durch einen Gendefekt entsteht, war schon seit einiger Zeit bekannt. In einer im "Journal of Neuroscience" veröffentlichten Untersuchung fanden Forscher des Forschungszentrum Jülich und der Augenklinik an der Universität Tübingen vor kurzem heraus, dass ein Ionenkanal der Zapfen bei Farbenblindheit andere Eigenschaften als bei Gesunden zeigt.
Der Ionenkanal in den Zapfen farbenblinder Menschen wies eine geringere Bindungsstärke für Kalzium-Ionen auf, wodurch es zu Störungen im Kalzium-Haushalt der Zapfen kommt. Kalzium ist wichtig für die Umwandlung von Lichtreizen in elektrische Impulse und reguliert die Lichtempfindlichkeit. Bei Patienten mit Farbenblindheit treten zudem auch größere Spannungsschwankungen auf, so dass höhere Lichtreize nötig sind, um die Sinneszellen zu erregen. Um Farbkontraste zu erzeugen, benötigen daher die Zapfen mehr Licht und eine größere Farbintensität. Manche Patienten können daher kräftige, gesättigte Farben unterscheiden, verwechseln jedoch schwache Farben.

