Frühstart ins Leben: Frühchen und ihre Überlebenschancen...

Deutsche Neonatalen sprechen sich gegen eine Festlegung der Überlebenschancen und intensivmedizinische Versorgung von Frühgeborenen aus. Während in einigen europäischen Ländern Frühgeborene bei einer Schwangerschaftsdauer von weniger als 25 Wochen generell nicht versorgt werden, empfehlen deutsche neonatologische Gesellschaften folgendes Vorgehen:

  • 21. Schwangerschaftswoche oder weniger:  

Wegen unzureichender Ausbildung der Lunge ist kein Überleben möglich, daher keine intensivmedizinische Versorgung des Frühgeborenen

  • 22. bis 23.

    Schwangerschaftswoche:

Versorgung des Kindes nur auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern.

Jedoch sterben nach Angaben des Heidelberger Perinatalzentrums trotz intensiver Betreuung 70% der Frühchen, die in der 22. Schwangerschaftswoche geboren wurden, mehr als 50% der Überlebenden sind stark behindert (Lähmung, Erblindung...)

  • 23. bis 24.

    Schwangerschaftswoche:  

Vitale Kinder (z.B. stabiler Kreislauf) werden uneingeschränkt versorgt; bei den anderen wird die Entscheidung der Eltern respektiert

 

  • ab

    24. Schwangerschaftswoche:

Uneingeschränkte medizinische Versorgung (z.B. Kaiserschnitt-Entbindung, Reanimation, Intensivmedizin)
Über 80% dieser Frühchen im Heidelberger Perinatalzentrum überlebten, von den Überlebenden hatten 80% keine Schäden

 

 

Die medizinische Entscheidung, inwieweit eine intensivmedizinische Betreuung eingeleitet werden sollte, trifft das Ärzteteam nach medizinischen Gesichtspunkten wie Lungen- oder Gehirnreife, die Eltern werden dann über die Problematik informiert und machen dann die entgültige Entscheidung.

Bei Kindern, die während der 22. und 25. Schwangerschaftswoche geboren werden und bei denen eine schwere Hirnblutung oder eine schwere Hirnschädigung festgestellt wird, kann die medizinische Versorgung abgebrochen werden.

Nach der "Einbecker Empfehlung" sollte, wenn das Frühgeborene so schwer behindert ist, dass es später nicht bewusst kommunizieren kann, in Absprache mit den Eltern keine medizinische Versorgung eingeleitet werden.

Die meisten Frühgeburten lassen sich vorhersehen. Risikopatientinnen sollten daher von den Frauenärzten an spezielle Perinatalzentren geschickt werden, damit die Frühgeborenen dort eine optimale Versorgung erhalten können.

März 2004

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