Aktuell: Vogelgrippe...

 

Was ist die Vogelgrippe?

Ein Jahr nach SARS kommt eine neue Bedrohung aus Asien: Die Vogelgrippe (Aviäre Influenza) hat seit Dezember 2003 mindestens zehn asiatische Länder erfasst und bereits zu 15 Todesfällen unter der Bevölkerung in Vietnam und Thailand geführt. China ist nach USA der zweitgrößte Geflügelproduzent in der Welt.

Das zu den Influenza-A-Viren gehörende Vogelgrippevirus ist seit 1901 bekannt und hatte erst in den letzten Jahren zu schweren Ausbrüchen in Hongkong und den Niederlanden geführt. Influenza-A-Viren kommen in 15 Subtypen vor, wobei die Untertypen H5 und H7 die auch als "Geflügelpest" bekannten schweren Ausbrüche verursachen. Die beim Menschen auftretenden Influenza-Viren gehören den Subtypen H1, H2 und H3 an oder sind Influenza-B-Viren.

Die derzeit in Asien grassierende Vogelgrippe wird durch das besonders aggressive Virus H5N1 hervorgerufen (die Einteilung der Viren erfolgt nach der Art ihre Oberflächenproteine: Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N)). Infizierte Tiere zeigen nach einer Inkubationszeit von drei bis sieben Tagen erste Anzeichen von Schwäche, Ödeme bedecken Kämme und Kehllappen, es tritt Durchfall auf, Hennen stellen das Eierlegen ein. Die Letalität liegt bei 50-100%. Hohe Konzentrationen des Virus findet man im Kot sowie in Nasen- und Augenflüssigkeit.

Durch Massentötungen von Geflügel wird versucht, die weitere Verbreitung zu verhindern. Die EU hat ein Einfuhrverbot von Geflügel oder Geflügelerzeugnissen aus den betroffenen Ländern erlassen.

Wie gefährlich ist die Vogelgrippe für Menschen?

Ein Ansteckungsrisiko für die Geflügelpest besteht nach gegenwärtigem Informationsstand nur bei sehr engem Kontakt zu lebenden Hühnern, z.B. auf Geflügelfarmen. Der Erreger wird vor allem über Kot und Sekrete der Hühner übertragen. Eine Infektion über den Verzehr von Hühnerfleisch ist sehr unwahrscheinlich. Sofern das Fleisch nicht roh gegessen wird, besteht keine Infektionsgefahr.

Erkranken Menschen an der Vogelgrippe, so sind die Symptome ähnlich wie bei einer schweren Grippe (Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, Gliederschmerzen,..), die Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus lässt sich ohne weitere Blutuntersuchung nicht erkennen.

Verschiedene Wissenschaftler wiesen jedoch bereits darauf hin, dass sich das Vogelgrippe-Virus mit menschlichen Grippeviren mischen könnte, wenn es bei Menschen (oder auch bei Schweinen) zu Doppelinfektionen mit Vogelgrippeviren und menschlichen Grippeviren kommt und die Viren dabei Teile ihres Erbgutes austauschen könnten. Derzeit bewege sich der beim Menschen vorkommende Influenza-Virustyp H3N2 von Europa und den USA auf Asien zu, wo er auf das Geflügelpest-Virus H5N1 treffen könnte . Bei einer Kreuzung der beiden Virentypen könnte eine von Mensch zu Mensch übertragbare, hochinfektiöse und hochpathogene Grippe entstehen, die zu einer Pandemie werden könnte.

Ein internationales Forscherteam hat beim Erreger der "Spanischen Grippe", die im Jahr 1918 vielen Millionen von Menschen das Leben gekostet hat, einige Schlüsselmerkmale des Vogelgrippevirus gefunden und schließt daher nicht aus, dass die hohe Sterblichkeit der "Spanischen Grippe" von einer Kreuzung mit dem Vogelgrippevirus herrührte.

Bisher sind keine Fälle nachgewiesen worden, bei denen eine Übertragung der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch erfolgt ist. Ein Verdachtsfall in Vietnam, dass sich zwei an der Vogelgrippe gestorbene Schwestern von ihrem vor ihnen gestorbenen Bruder infiziert haben könnten, erwies sich als unbegründet. Die WHO hat gerade bestätigt, dass beide Schwestern das Vogelgrippevirus in seiner ursprünglichen Form in sich trugen und es zu keiner Änderung des Virus in eine leichter von Mensch zu Mensch übertragbare Form gekommen war.

Empfehlungen, Strategien von WHO, Robert-Koch-Institut und Auswärtigem Amt:

Sollte es zu einer Mischung zwischen Vogelgrippevirus und dem menschlichen Grippevirus kommen, so hat die WHO bereits einen Zeitplan für eine Impfstoffproduktion erstellt: in sechs Monaten soll es demnach einen Impfstoff gegen die Vogelgrippe geben. Das Robert-Koch-Institut hält einen Krisenplan bereit, der die massenhafte Verteilung des antiviralen Medikaments Tamiflu vorsieht.

Die WHO empfiehlt, dass Personen in Asien mit engem Kontakt zu Geflügel, z.B. auf Geflügelfarmen, mit dem derzeitigen Impfstoff gegen das menschliche Grippevirus geimpft werden sollen, damit das Risiko, dass sich Human- und Vogelinfluenza-Viren kreuzen, verringert werden kann.

Das Auswärtige Amt gibt folgende Empfehlungen für Reisen in die betroffenen Gebiete: 

  • Reisen in betroffene Länder werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt als unbedenklich angesehen

  • Der Kontakt mit Geflügel sollte jedoch vermieden werden

  • Auch auf den Besuch von Vogel- oder Geflügelmärkten sollte verzichtet werden

  • Der Verzehr von Geflügelfleisch oder Eiern ist nach derzeitigen Wissensstand unbedenklich, wenn diese gut gekocht sind

 Eine Grippeschutzimpfung gegen das menschliche Influenza-Virus wird bei Reisen in Länder, in denen Geflügelpest besteht, empfohlen, um einen gleichzeitigen Befall von menschlichen und Vogelgrippeviren zu vermeiden.

Weitere Informationen:

  • Fragen und Antworten des Robert-Koch -Instituts als Download

  • Detaillierte Informationen des Auswärtigen Amtes

Februar 2004

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