Blutvergiftung als dritthäufigste Todesursache in Deutschland...

Ein bislang deutlich unterschätztes Risiko stellt in Deutschland die Blutvergiftung (Sepsis) dar. Aktuelle Daten des Kompetenznetzes Sepsis (SepNet) zeigen, dass die Blutvergiftung in Deutschland die dritthäufigste Todesursache ist und fast so viele Opfer wie der akute Herzinfarkt und deutlich mehr als Brust- oder Darmkrebs fordert.

Täglich sterben in Deutschland im Durchschnitt 162 Menschen an einer Blutvergiftung, pro Jahr erkranken 154.000 Menschen an Blutvergiftung, ca. 60.000 sterben daran. Bisher war von 39.000 Sepsis-Erkrankungen pro Jahr und 6.000 Todesfällen ausgegangen worden.

Auswertungen von 454 Intensivstationen an bestimmten Stichtagen zwischen Januar 2003 und Januar 2004 ergaben, dass 11% der 3.800 Patienten auf diesen Intensivstationen an einer Sepsis litten, mehr als die Hälfte dieser Patienten verstarb dann an dieser Krankheit. Nach Angaben von Prof. Konrad Reinhart von der Universitätsklinik Jena stellt die Blutvergiftung auf den Intensivstationen die häufigste Todesursache dar. 

Ursache für eine Blutvergiftung sind meist zunächst lokal begrenzte Infektionen; dadurch dass sich die Erreger (Bakterien, Pilze, Viren) oder deren Gifte über das Blut weiterverbreiten, kann es zu einem Multiorganversagen kommen. In 40% der Fälle entsteht eine Blutvergiftung aus einer Lungenentzündung, daneben sind Infektionen im Bauchraum noch ein wichtiger Infektionsherd. Häufig wird die Blutvergiftung erst sehr spät erkannt, neben Antiobiotika-Gabe muss eine intensivmedizinische Behandlung einsetzen.

Das Risiko einer Sepsis wurde bisher unterschätzt, da häufig als Todesursache z.B. "Lungenentzündung" angegeben wurde, obwohl es sich tatsächlich um eine "Sepsis als Folge einer Lungenentzündung" handelte.

Etwa 1,7 Milliarden Euro und damit 32% der Kosten für die Intensivstationen in Deutschland müssen für die Behandlung von Sepsis-Patienten aufgebracht werden.

Januar 2005

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