Trotz bekannter Risiken: Hormontherapie wird noch zu oft verschrieben...

Obwohl es wissenschaftlich erwiesen ist, dass eine Hormontherapie zur Behandlung der Wechseljahre  meist mehr Schaden als Nutzen bringt (erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolien und Brustkrebs) und eine Behandlung mit Hormonen nur noch in Ausnahmefällen erfolgen sollte, setzt sich dieses Wissen in der Praxis leider nur langsam um.

Zu diesem Ergebnis kommt das Wissenschaftliche Institut der der AOK (WIdO).  Die Zahl der Verordnungen von Hormonpräparaten und die Websites vieler deutscher Gynäkologen stehen in deutlichem Widerspruch zu den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Generell dauere es in Deutschland viel zu lange, bis sich medizinisches Wissen tatsächlich auch im Verordnungsverhalten der Frauenärzte widerspiegle. 

Trotz der bekannten Risiken werden immer noch viel zu viele Frauen mit der Hormonersatztherapie behandelt, bei Internetauftritten wird zu wenig auf die Risiken hingewiesen und die Hormonbehandlung weiterhin unkritisch empfohlen.

Während laut WIdO nach Bekanntwerden der Risiken der Hormontherapie im Sommer 2002 beispielsweise in Kanada von Oktober bis Dezember 2002 rund 32% weniger Hormonpräparate verordnet worden seien als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, ging die Zahl der Verordnungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland nur um 14% zurück. 

Überraschend sei auch der hohe Anteil der Frauen ab 60 Jahren, denen Hormonpräparate verordnet würden, obwohl in dieser Altersgruppe nur in den seltensten Fällen noch starke Wechseljahresbeschwerden auftauchen sollten.

Januar 2004

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