Psychoneuroimmunologie (PNI): Wie Seele, Nerven- und Immunsystem zusammenwirken...

Vor etwas mehr als 20 Jahren hat sich ein neuer Forschungszweig entwickelt, der sich mit den Wechselwirkungen zwischen Seele, Nervensystem und Immunsystem beschäftigt, und deshalb als Psychoneuroimmunologie (PNI) bezeichnet wurde. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, dass diese drei Systeme ein biochemisches Netzwerk, in dem ein reger Informationsaustausch stattfindet, darstellen. Die PNI betrachtet den Menschen daher nicht in seinen Einzelteilen, sondern sieht ihn als komplexes Netzwerk.

Dass sich Gefühle, Ängste und innere Probleme auf das Immunsystem und den Gesundheitszustand auswirken können, ist schon lange bekannt. Die Beziehungen zwischen Psyche, Nervensystem und Immunsystem können krankmachend oder durch Aktivierung der Selbstheilungskräfte heilend wirken.

Einige Beispiele von wissenschaftlichen Studien, welche die Wechselwirkungen von Psyche, Nervensystem und Immunsystem aufzeigen:

Dass sich Stress negativ auf das Immunsystem auswirkt, konnte mit einer Vielzahl von Studien gezeigt werden. Bei Medizinstudenten wirkte sich z.B. der Examensstress negativ auf das Immunsystem aus (Vergleich von Blutproben vor und während der Stressphase); der erneute Ausbruch einer Herpes-Erkrankung hing unter anderem auch damit zusammen, ob jemand gestresst ist oder nicht.

Bei schüchternen und zurückgezogeneren Menschen scheinen die negativen Effekte von Stress sehr viel stärker zu sein als bei anderen Menschen, was in einer aktuellen amerikanischen Studie mit AIDS-Patienten gezeigt wurde: Eher schüchterne Patienten zeigten im Vergleich zu kontaktfreudigeren Patienten im Verlauf der Studie eine sehr viel größere HIV-Virenanzahl im Blut, bei ihnen schienen zudem einige Medikamente nicht zu wirken. Die schüchternen Patienten reagierten sehr viel stärker auf Stress, durch die ständige unbewusste Anspannung wurde daher auf Dauer das Immunsystem geschwächt. Der Studienleiter betonte dabei : "Wie jemand auf Stress reagiert, scheint wichtiger für die Anfälligkeit für Krankheiten zu sein als der Stress selbst".

Eine weitere Untersuchung mit AIDS-Patienten ergab zudem, dass optimistische Patienten, auch solche mit unrealistischem Optimismus, eine um neun Monate längere Lebenserwartung hatten.

Es konnte außerdem nachgewiesen werden, dass eine "Konditionierung" des Immunsystems möglich ist: Wurde ein immunsuppressives Medikament zusammen mit einem zweiten "Reiz" (einem schlecht schmeckenden und auffällig gefärbten Getränk) gegeben, lernten Gehirn und Immunsystem nach einiger Zeit, die beiden Reize miteinander zu verknüpfen, so dass bei Verabreichung des Getränkes mit einem Placebo trotzdem eine immunschwächende Wirkung beobachtet wurde.

Praktische Umsetzung der Erkenntnisse der PNI:

In den USA werden im Rahmen der sogenannten "Mind-Body-Medizin", die von einigen Kliniken und Praxen angeboten wird, sowohl Körper als auch Geist behandelt. Die Therapie wird mit Anti-Stress- und Entspannungsprogrammen unterstützt, Erfolge wurden u.a.. bei HIV-Patienten und bei der Behandlung von unerfülltem Kinderwunsch erreicht.

Generell soll bei der Behandlung auf eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte der Menschen abgezielt werden. Neben schulmedizinischen und naturheilkundlichen Behandlungsmethoden werden Programme zur Stressvermeidung (z.B. positives Denken, weniger Perfektionismus), zu einem positiven Umgang mit Stress (z.B. durch aktive Entspannung wie Meditation, Yoga) und zur Förderung eines gesunden Lebensstils (Bewegung, gesundes Ernährung, ausreichend Schlaf,...) eingesetzt. Wichtig ist zudem die "Ordungstherapie", in deren Rahmen Patienten lernen, Verhaltens- und Denkmuster zu erkennen und negative Muster durch positive Muster zu ersetzen.

In Deutschland wird im Klinikum Essen-Mitte ein Pilotprojekt durchgeführt, das bei der Behandlung von Krankheiten Schulmedizin, Naturheilkunde und die Mind-Body-Medizin einsetzt.

Zudem hat die Lachforschung (Geleatologie) herausgefunden, dass Lachen das Immunsystem stärkt (erhöhte Werte von Abwehrzellen und Antikörpern). Einige Kliniken setzen daher Klinik-Clowns ein, die kranke Kinder zum Lachen bringen und damit den Heilungsprozess fördern sollen.

Januar 2004

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